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AE: Walking Tall

AE: Walking Tall  
Andreas Edler
From:Andreas Edler
Subject:AE: Walking Tall
Date:Tue, 17 Aug 2004 07:05:46 +0200
> Walking Tall
> gesehen am 07.07.2004 im "Cinema / Bückeburg"

Da ich ausnahmsweise mal nicht allein in die Sneak fuhr, habe ich
versucht kurz vorher noch zwei Plätze per Telefon bestellen. Nachdem ich
ca. eine halbe Stunde die Wahlwiederholung habe laufen lassen erfuhr
ich, dass nur noch 2 Plätze in der zweiten Reihe frei wären - und das
auch nur im "kleinen" Cinema oben. Naja, wer zu spät kommt :-/ Als wir
allerdings an der Kasse standen, hatten die aufmerksamen Betreiber
netterweise meine Reservierung schon umgebucht (sind wohl 2 Leute
abgesprungen), so dass wir prima Plätze in der letzten Reihe bekamen!
Vielen Dank!

> Zum Inhalt ...

Chris Vaughn (The Rock) möchte nach dem Ausscheiden aus der US-Army in
seiner Heimatstadt im ländlichen Washington einen Job suchen und in der
Nähe seiner Eltern sein. Doch bereits als er zu Fuß die Stadtgrenze
passiert, fallen ihm erste Unterschiede zu seiner Jugendzeit auf. Das
Sägewerk, einst Joblieferant für Generationen von Einwohnern, ist
stillgelegt. Jugendliche nehmen öffentlich Drogen und statt eines
Eisenwarenhandels ziert ein Sexshop die Hauptstrasse des Ortes.

Schnell ist der Quell der Veränderungen ausgemacht. Sein ehemaliger
Schul"freund" Jay Hamilton (Neal McDonough) hat, nachdem er das Sägewerk
erbte, selbiges sofort geschlossen und verdient seinen Lebensunterhalt
mit einem riesigen neu gebauten Casion. Dort wird neben nicht ganz so
zufälligem Glücksspiel, die Jugend mit Drogen versorgt und gleichzeitig
auch noch die Polizei geschmiert. Als Chris daraufhin einmal ordentlich
auf den (Black Jack)Tisch haut, findet er sich halb tot im Krankenhaus
wieder. Da passenderweise gerade die Neuwahlen des Sherrifs anstehen,
verschafft er sich mit einer eindrucksvollen Demonstration seiner
Fähigkeiten die nötigen Wählerstimmen und nimmt von nun an die Keule in
die Hand und räumt zusammen mit seinem Deputy Ray (Johnny Knoxville) ein
wenig auf ...

> Hmm ...

Uh, "nach einer wahren Begebenheit" ... ein Einleitungssatz, der mich
zunächst immer das Schlimmste erwarten lässt. Tatsächlich hat Kevin Bray
mit "Walking Tall" einen Film auf die Leinwand gebracht, welcher sich
grob am Wirken von Buford Pusser orientiert. Der Ex-Marine und Wrestler
übernahm damals in den 70ern den Posten des Sherrifs in einer kleinen
Stadt und räumte dort mit einem Kantholz auf.

Geblieben ist in der aktuellen Verfilmung (1973 flimmerte der gleiche
Stoff bereits einmal über die Leinwand) nur das Kantholz. Eigentlich
bietet die Geschichte reichlich Material um die Charaktere
herauszuarbeiten und - oh Wunder - auch die Wrestlinggallionsfigur "The
Rock" läßt durchaus respektable Ansätze eines richtigen Schauspielers
erkennen. Aber Regisseur Bray hetzt von einer Actioneinlage zur
nächsten, ohne seinen Protagonisten Raum zur Entfaltung zu geben. Und
dabei wurden sogar die Figuren rund um den zugkräftigen Hauptdarsteller
ansprechend gespielt. Johnny Knoxville machte als Hilfssherrif einen
guten Eindruck und zeigte, dass da noch mehr hinter der Fassade steckt,
als nur in einem Einkaufswagen eine Treppe runter zu rollen oder sich
die Arschbacken zusammentackern zu lassen. Selbst Vaughns Schulfreundin
Deni wird von Ashley Scott annehmbar gegeben - eigentlich ist die Rolle
der gefallenen und zeigefreudigen Exfreundin in solchen Filmchen eher
spärlich intelligent besetzt ;-)

Tja, eigentlich alles da, was sich ein Regisseur wünschen würde. Und
tatsächlich ist der Film nicht eine Sekunde langweilig. Nicht besonders
innovativ, nicht neu, der Anfang ist 1 zu 1 aus "Rambo I" übernommen, im
Mittelteil boxt The Rock wie einst Patrick Swayze in "Road House" die
Bösen beiseite und gegen Ende wird die Polizeistation wieder wie in
"Rambo I" bearbeitet. Trotzdem ist man dann verwundert, wenn plötzlich
alles vorbei ist - und das ist es nach knapp 75 Minuten. Selten so einen
kurzen Action-Film gesehen! Entweder das Werk ist massiv geschnitten
oder es wurde von vornherein auf weichgespült produziert. Dabei sind
einige Szenen ziemlich derb, auch wenn die Kamera nicht in letzter
Konsequenz draufhält.

Das hätte ein richtig guter Actionfilm werden können, wenn man
vielleicht 15 bis 20 Minuten mehr gezeigt hätte. Ein bißchen mehr
Entwicklung der Personen, ein bißchen mehr Hintergrund und ein bißchen
mehr Action und es wäre ein perfekt unkorrektes
Selbstjustiz-Rachefeldzug-Thriller werden können. So kommt leider der
Showdown viel zu schnell und unspektakulär und dem Zuschauer fehlt eine
tiefergehende Identifikation mit den Figuren. So ist es "nur"
routinierte, leicht weichgespülte Action für den Fast-Food-Kinobesuch.

Andreas
--
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