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AE: Hellboy

AE: Hellboy  
Andreas Edler
From:Andreas Edler
Subject:AE: Hellboy
Date:Tue, 17 Aug 2004 07:05:24 +0200
> Hellboy
> gesehen am 02.08.2004

Comicverfilmungen sind in. Seit Wochen wird man im Kino mit Trailern zu
einer weiteren dieser Umsetzungen heiß gemacht. Im Gegensatz zum
ebenfalls gerade laufenden "Spider-Man 2" ist "Hellboy" der Vorschau
nach aber wesentlich actionlastiger. Da ich nicht bis zum Bundesstart am
16.09.2004 warten wollte, bestellte ich halt kurzerhand die bereits
erhältliche DVD. Und die rotierte kürzlich im Player ...

> Zum Inhalt ...

1944 öffnen die Nazis unter Anleitung von Grigori Rasputin (Karel Roden)
ein Tor zu einer anderen Dimension um die sieben Götter des Chaos zu
beschwören, die helfen sollen die Welt zu unterjochen. Leider werden die
Schergen von einem Trupp amerikanischer Soldaten unter der Anleitung von
Dr. Bruttenholm (Kevin Trainor, im Alter von John Hurt gespielt) gestört
und das Tor geschlossen. Zwei Mißgeschicke passieren während dieser
Aktion ... zum einen verschwindet Rasputin, zum anderen gelangt ein
kleines Baby aus der anderen Seite in unsere Welt.

Der kleine Junge unterscheidet sich allerdings ein klein wenig von
normalen Jungs. Zum einen wäre das sein Schwanz, die mächtige steinerne
rechte Faust, Hörner am Kopf und nicht zuletzt die komplett rote
Hautfarbe. Dr. Bruttenholm nimmt den kleinen "Hellboy" unter seine
Fittiche und zieht in auf - in der Abteilung für paranormale
Begebenheiten beim FBI, wo er ein Spezialist für die eher
"außergewöhnlichen" Fälle wird. Bis nach 60 Jahren die rechte Hand
Rasputins, Kroenen (Ladislav Beran), wieder auftaucht! Keine Minute
gealtert und mit ziemlich Verstärkung im Rücken ...

> Hmm ...

"Batman", "X-Men", "The Hulk", "Spider-Man", kein Superheld, der noch
nicht verfilmt wurde. Manche Verfilmungen sind dabei überaus gut
gelungen, wieder andere taugen nicht das Zelluloid, auf welches sie
gebannt wurden. Der Trailer von Hellboy hat mich unglaublich neugierig
gemacht - auch wenn ich in diesem Fall davor noch nicht einmal wußte,
dass es diesen Comic gibt.

Meist kranken Verfilmungen daran, nicht alles umzusetzen, was die unter
Umständen schon jahrzehntelang laufende Serie eingeführt hat.
Zwangsläufig muß da zusammengestrichen oder aber eine gänzlich andere
Richtung eingeschlagen werden - natürlich begleitet vom Gejammer der
Fangemeinde, die "ihren" Helden nicht adäquat repräsentiert sehen.
Humbug! Ein Film ist dazu da, zu unterhalten. Und wenn das nur
funktioniert, wenn man das Begleitmaterial auswendig kennt, taugt der
Film nichts. "Hellboy" funktioniert ohne Vorwissen bestens!

Guillermo del Toro (Mimic, Blade II) hat Erfahrung im phantastischen
Genre. Das merkt man seiner "Hellboy" Interpretation durchaus an. Die
Hauptcharaktere bekommen von der Geschichte Tiefe verpasst, die man z.B.
bei Ärgernissen wie "Daredevil" schmerzlich vermisst. Klar dass es bei
so einem Actionvehikel nicht daraus hinausläuft, allen Beteiligten eine
wasserfeste und glaubwürdige Biographie zu verpassen, aber man kann als
Zuschauer zumindest bei den Hauptfiguren jederzeit deren Handlungen
nachvollziehen.

Natürlich steht hier Ron Perlman im Mittelpunkt, den ich für die
perfekte Besetzung von Red (so der Kosename Hellboys) halte. Ähnlich wie
Tobey Maguire die Spinne ist oder Michael Keaton der (bisher) beste
Batman war. Perlman ist cool, bringt die eigentlich immer passenden
Oneliner knochentrocken und kann gleichzeitig unter der dicken Maske
noch glaubhaft Gefühle zeigen. Beeindruckend!

Die Ausstattung des Films kann man durchaus mit "liebevoll" bezeichnen.
Sehr viele kleine Details, die Effekte sind selten sichtbar (ein paar
Mal fliegt Hellboy offensichtlich an Drähten durch die Gegend) und auf
dem Stand der Technik.

Das alles würde ja schon fast reichen, um einen unterhaltsamen Streifen
ohne Sinn und Verstand zu produzieren. Tatsächlich ist die Story des
Films sogar ein bißchen spannend und mehr als nur eine Verbindung einer
Actionsequenz mit der nächsten. Ein einziges Mal gibt es einen Aussetzer
- entweder hat der Regisseur da gepennt oder die Schere hat
zugeschlagen. Jedenfalls sind zwei Szenen völlig ohne Anschluß
aneinandergereiht. Es ist dem Film zu Gute zu halten, dass sogar dieser
Schnitzer dem Zuschauer maximal ein Augenbrauenlupfen abverlangt, um
sofort danach wieder "im Film" zu sein.

Nahezu perfektes Actionkino. Ich freue mich schon auf den für 2006
angekündigten 2. Teil!

Andreas
--
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