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Filmkritik: Die Zwillinge

Filmkritik: Die Zwillinge  
Tuvok
From:Tuvok
Subject:Filmkritik: Die Zwillinge
Date:Sun, 05 Dec 2004 08:14:31 GMT
ANNA und LOTTE BAMBERG sind 1916 als Zwillinge geboren. 1922 stirbt die
Mutter der beiden. Das Begräbnis kommt und beide werden am Friedhof danach
von Ihren Verwandten getrennt. LOTTE hat Schwindsucht und kommt zu Ihren
reichen Verwandten nach Holland wo es Ihr sehr gut geht, wo sie so ziemlich
alles hat was sie braucht, bis auf Ihre Schwester ANNA die sie sehr
vermisst.



ANNA wächst bei Ihrer Tante auf, sie hat auch einen Onkel, der sich aber
nicht so sehr um sie kümmert, und nicht mal verhindert, das sie dauernd am
Bauernhof schwere Arbeit leisten muß. Damals war leider noch Kinderarbeit
ein normales Thema, und wenn man denkt heut zu Tage, 2004, sind laut
Statistiken mehr als 249 Millionen Kinder ab 5 Jahre in Kinderarbeit
beschäftigt.



Leider wird ANNA als schwachsinnig erklärt, so kann sie der Tante als
Arbeitskraft erhalten bleiben und braucht nicht auf eine Schule gehen, so
wird sie weiterhin täglich ausgenutzt, und bekommt gerade Essen und Trinken,
ein Bett und Schläge.



Beide schreiben sich natürlich doch die Tante von ANNA unterdrückt natürlich
den Kontakt und schmeißt die Briefe weg, und es dauert sehr lange bis sich
die beiden wieder sehen. Bis die sich wieder sehen ist LOTTE an der
Universität und studiert, und ANNA ist ein gewöhnliches Dienstmädchen.
Natürlich ist LOTTE von Ihrer Zwillingsschwester nicht gerade begeistert, da
sie diese schon ewige lange nicht gesehen hat ist auch natürlich alles
abgebrochen, auch als sie eben draufkamen das der Kontakt zwischen den
beiden verhindert wurde, denn die Verwandten von LOTTE haben die Briefe
Ihrer Zwillingsschwester auch weg geschmissen, denn die ist ja ein Mädchen
das in Deutschland lebt, und das geht so weit das die Judenfreundliche
Familie die Briefe eben wegschmeißt.



LOTTE hat einen Verlobten der sie dazu bringt, den Kontakt zu ANNA eben
abzubrechen. Und sie macht da auch. Erst als sie alt sind, versuchen sich
die beiden näher zu kommen und Erklärungen zu finden wieso sie was wieso
getan haben, doch LOTTE will sie nicht verstehen. Und so sieht man eben die
ganze Jugend der beiden Mädchen, von Heirat, über Krieg, von Besetzung über
Armut, von beiden Ländern.



2004 wurde der Film als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert.
Und er hätte ihn auch verdient. Er ist nämlich wirklich gut. Alleine schon
die Geschichte, die ganze Verbundenheit der einzelnen Familienmitgliedern,
das geht teilweise wirklich sehr tief ins Herz rein. Noch dazu ist die
Geschichte von vorne bis hinten wirklich gut ausgefilmt. Was ja auch kein
Wunder ist mit 129 Min. Filmlänge bietet der Film wirklich fast jede
Gefühlsregung die in so eine Geschichte passt. Von Liebe über Trauer, von
Unwissenheit bis hin zu der Tatsache das man ganz was anderes geglaubt hat
und drauf kommt was wirklich hinter den Kulissen sich abspielt.



Kriegsgeschichten gab es ja bis heute schon viel zu viele, aber eine aus der
Sicht der Frau, noch dazu viel aus Holland ist mal was ganz neues. Wobei
aber nicht nur das Land entscheidend ist, sondern eher die Idee 2 getrennte
Zwillinge separat voneinander zu betrachten.



Der Bestseller ist von Tessa de Loo. Sie war damals in Holland zu Hause und
hat während der Kriegszeit Juden versteckt, bei sich zu Hause, was ein
wahrhaft gefährliches Unternehmen war. Alleine schon der Gedanke das man
jeden Tag entdeckt werden könnte, das von dir nicht nur das Leben deiner
Familie abhängt, sondern auch das von anderen Leuten für die du
verantwortlich bist. Du könntest jede Sekunde denunziert werden von einem
der dich einfach still und leise beobachtet. Doch ist das nicht passiert.
Die Dame hat wohl mehr als Einen Schutzengel gehabt.



Meine bessere Hälfte, der dieser Film sehr gut gefallen hat, hat mir dann
einige Zeit später erklärt, nach langen Versuchen, das in dem Buch die
Geschichte so dargestellt ist, das die 2 Zwillinge für die Länder
Deutschland und Holland stehen, wo dann versucht wird, anhand von sehr guten
Recherchen der damaligen Zeit darzustellen, ob es gelingt, das die beiden
Länder wieder zusammen finden können da ja das eine Mädchen in Holland bei
Verwandten gelebt hat, und das andere in Deutschland bei Verwandten gelebt
hat. Was angeblich in dem Buch spannend war, ist die Tatsache das sich alles
real abgespielt hat, auch wenn Tessa sehr oft von den Gesprächen der beiden
Damen im Buch schreibt. Die oft miteinander reden, spazieren gehen, und
versuchen die Vergangenheit zu bewältigen, und manchmal wird es sehr
langweilig.



Ich fand bei dem Film nicht so gut das sehr viel Holländisch geredet wurde,
man hat absolut nichts verstanden, auch wenn man durch zeitweises Mitdenken
selbst dahinter kommen könnte, ich bin der holländischen Sprache nicht
mächtig, schließlich ist das so ein Kauderwelsch, als hätte ein Waschbär
einen Kaugummi im Mund und würde versuchen die indonesische Nationalhymne
mit 6 Zähnen zu pfeifen.



Gestört hat mich das auch oft die Farben bei dem Film so bleich waren,
schätze das war, um die grausliche Zeit von damals darzustellen, dann waren
da noch so viele Zeitsprünge von einigen Jahren, wo es dann einfach so
weiterging, als hätte sich nichts geändert und man muß sich da einfach
vorstellen es hat sich das und das getan, das fand ich nicht so gut, da der
Zuseher im Kino ja nicht weiß, was sich eben getan hat.



Die Anna, die in Deutschland lebt, ich glaube die heißt Nadja Uhl, die
spielt die Rolle sehr glaubhaft, alleine schon wie sie auf Ihren Liebsten
wartet, man merkt richtig wie sie nach ihm ausgehungert ist, die
holländische Anna selber ist auch sehr gut in Ihrer Rolle aufgegangen, aber
nicht so gut halt wie die Schauspielerin Uhl, die übrigens nicht so wie die
holländische Schauspielerin der Anna die heißt Thekla Reuten von so einer
European Film Promotion zum Shooting Star gewählt wurde.



Diese European Film Promotion - EFP - ist ein Zusammenschluss nationaler
Promotion- und Export Organisationen aus 23 Ländern Europas, und diese rufen
eine neue Förderung ins Leben, die die Vermarktung des europäischen Films
auf ausgewählten internationalen Filmfestivals im Jahre 2004 unterstützt. Zu
Hause sind die übrigens in Hamburg.



Da hat doch einer mal getestet wie Zwillinge ticken, und ist drauf gekommen
das bei diesem Phänomen nicht nur einmal vorkommt das der eine fühlt wenn es
dem anderen schlecht geht, was auch schon in dem Märchen der Gebrüder Grimm,
Die 2 Raben, dargestellt wurde. Und da versucht der Regisseur diese
Geschichte eben im Film umzusetzen, was ihm aber meiner Meinung nach nicht
so gut gelungen ist, mir hätte da ein bisschen mehr Mystik gefehlt.



In dem Film wird ganz nett dargestellt das die naive Anna aus Deutschland
gut findet was Hitler so alles macht, sie weiß sowieso die Hälfte nicht,
aber immerhin, Frauen dürfen jetzt endlich Goethe lesen. Die Holländische
Zwillingsschwester, die Lotte findet natürlich das die Deutschen alle
schlecht sind. Was mich gewundert hat bei dem Film ist das man eigentlich
gar keinen holländischen Nazi gesehen hat, das hat mich gestört, auch vom
Volk hat man nicht so viel gesehen, was im Film "Der Bockerer" viel besser
dargestellt wurde.



Was ich nicht verstehe ist aber, wieso Lotte so böse ist auf Anna. Was wäre
passiert wenn anstatt von Lotte die Anna in Holland aufwachsen würde? Sicher
nichts anderes oder? Da würde wohl Anna die Judenfreundin sein, und Lotte
die Judenhasserin oder? Und wieso vergibt Ihr Lotte nicht wo die 2 alten
betagten Damen doch schon längst erwachsen sind?



Meine Freundin hat erklärt das der Film am Anfang sehr kurzweilig war,
spannend, nachher ist er eher langsamer geworden, und die Trennung der
beiden Zwillinge am Friedhof am Anfang war irgendwie so endlich wie ein
Stück das Berthold Brecht mal geschrieben hat, dem er den Namen "Der
kaukausische Kreidekreis" gab. Das handelt von so einem Mädchen das
irgendein Kind rettet, von Ihrem Chef und flüchtet, und ja dann was weiss
ich was passiert. Der Brecht Typ ist ein Lyriker gewesen.



Also zurück zum Film, er ist gut gespielt, andere Kriegsfilme haben mir
besser gefallen, der Film ist interessant, für Kritiker auf alle Fälle ein
Gustostückchen, der Film ist intelligent, ruhig und bedacht, und hat das
Zeug für einen Kritikerpreis.



80 von 100
   

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